Menschliche Beziehung infiziert, doch die Corona Christi heilt

Wohnt nicht menschlicher Nähe seit jeher die Möglichkeit zum Segen oder zum Fluch inne? Unsere Gemeinschaften haben wir Menschen in ein Korsett aus Fassaden gezwängt, durch Spielregeln und Wichtigtuerei, durch Blöße und durch Bluff, weltweit genormter Konsum von Käuflichem: Materielles und Vergnügliches. Der Tanz ums goldene Kalb. Aus uns Menschen wurden Maskenträger, lateinisch; persona.

Wir haben den Blick von jenem Menschen mit der Krone, lateinisch Corona angewidert abgewendet, weil sie mit Dornen geflochten ist: Jesus Christus. Er erinnert uns, zur Menschlichkeit bestimmt zu sein, mit Schwächen, in Blöße, angewiesen und sterblich, und zugleich gekrönt: ein König, wer treu an der Seite seiner Schutzbefohlenen bleibt und sie nicht verrät, wenn’s ans eigene Leder geht.

Man hat diese Krone, die Corona behängt mit billigem Blendwerk. Man will nur glänzende Kronen sehen, fotografiert sie von Bord eines Kreuzfahrtschiffes, gefährdete Naturparadiese wie die Malediven als Kulisse, Objekt für die heimische Fotosammlung. Die Erbarmungswürdigkeit eines Eisbären, der es nicht fassen kann, nun bei jedem Schritt einzubrechen, was ihn doch bisher trug. Strandende Flüchtlinge, halb tot, die einem die schönen Strände vermiesen.

Die Krone, Corona ist zurück, schmutzig, unbarmherzig und rücksichtslos. Unbestechlich drückt dieses kleine Virus die Reset-Taste: es gibt die Selbstgefälligkeit von jungen Menschen der Lächerlichkeit preis. Es lauert die Reichen und Schönen in ihren gekauften Oasen auf. Man gaukelte sich vor, sie kuscht sie vor uns, die Angst vor den Dornen der Krone, der Corona. Plötzlich hat sie sich von der Kette losgerissen. Erschreckt und noch ungläubig realisieren wir, dass uns keine Zeit und keine Ersparnisse bleiben werden, bei Amazon oder im neuen Tesla E-Mobil einen Platz mit künstlicher Beatmung auf einer Intensivstation zu kaufen. Keine Beziehung aus Geld und Macht nützt uns noch, uns aus dem künstlichen sozialen Koma zu befreien, weil der Segen menschlicher Nähe durch Corona zum Fluch geworden ist. Schon heute Nacht könnte man meine Seele von mir fordern. Wer Corona nicht wahrhaben wollte, dass der König der Herzen eine Krone, seine Corona aus Dornen trägt: Ganze Gesellschaften, Weltwirtschaftssysteme und Ideologien bekommen sie nun aufgesetzt.

Mit einem Mal spüren wir Menschen uns wieder, erinnern uns an unsere Bestimmung, noch ganz zaghaft, nach und nach, aber mehr und mehr. Noch jede und jeder für sich, dringt ein Klang zu den Koronargefäßen unseres Herzens vor, weckt die Sehnsucht in uns. Wir öffnen die Fenster unserer Schließfächer. Die Harmonie all jener von uns, die wir glaubten, wir enden an der Oberfläche unserer Haut, diese Harmonie verleiht unserer Stimme Flügel. Für Augenblicke mündet mein Ich im Wir. Die Menschen singen aus ihren Fenstern heraus den Corona-Chor und zollen jenen Beifall, die das Wohl der anderen über den Schutz der eigenen Gesundheit stellen.

Es ist die Rose, die sich Christus hingab, mit ihren Dornen, unserem Kreuz zum Kranz, zur Krone geflochten. Corona, Herzkranzgefäße: es ist die Liebe, die in uns einströmt aus dem großen Sonnengeflecht, aus ihrer Corona, in uns hinein und aus uns heraus, um all jenen beizustehen, die von ihrer Krone, von Corona nur noch die Dornen des Virus zu spüren bekommen.

Mögen Sie, mögest du verschont bleiben von den Dornen oder wenigstens Heilung und Segen aus Christus erfahren,

wünscht Ihnen und Dir

Pastor Ulrich Tomm